Brücke zu den Göttern – Taoistische Ritual-Manuskripte der Yao

16.12.2019 – 24.1.2020
Foyer der Zweigstelle der Universitätsbibliothek Heidelberg
Manuskript mit Musterritualen. - Südchina, 1750

Die Ausstellungsreihe "Sammlung des Monats" der Universität Heidelberg bietet im monatlichen Wechsel ausgewählte Stücke aus den Museen und Sammlungen der Ruperto Carola.

Im Rahmen dieser Reihe zeigt die CATS Bibliothek vom 16. Dezember 2019 bis Ende Januar 2020 im Foyer der Zweigstelle der Universitätsbibliothek Heidelberg auf dem Campus Im Neuenheimer Feld Exponate aus seiner Sammlung ritueller Manuskripte der südostasiatischen Yao-Minderheit.

Die Yao sind eine vielfältige Kategorie ethnischer Gruppen, die seit dem frühen 7. Jahrhundert in chinesischen Quellen genannt wird. Ab dem frühen 19. Jahrhundert wanderten viele von ihnen von China nach Südostasien ein. Dazu gehören auch die Untergruppen der Lanten und Iu Mien, von denen die vorliegenden Manuskripte stammen. Von den Chinesen haben die Yao den Taoismus übernommen, aber eine ganze Anzahl von Ritualen und Bräuchen ihrer eigenen, staatenlosen Gesellschaft angepasst.

Nach dem Sieg der kommunistischen Pathet Lao in Laos 1975 flohen viele Yao nach Thailand und mussten dort, verarmt, ihre rituellen Gegenstände und Manuskripte verkaufen. Einige traten zum Christentum über. Eine große Zahl dieser Texte und Objekte fand schließlich in den 1990er-Jahren ihren Weg in die Universitäten von Oxford, Leiden und Heidelberg, sowie in die Bayerische Staatsbibliothek. Die Sammlung der Ostasienabteilung der CATS Bibliothek am Centrum für Asien- und Transkulturelle Studien geht ebenso wie die Leidener Sammlung auf eine Anschaffung von Barend ter Haar zurück, der von 1994 bis 2000 Professor am Institut für Sinologie der Universität Heidelberg war. Sie besteht aus rund 220 Manuskripten und 10 Rollbildern zur Verwendung in Ritualen. Während die ältesten dieser Manuskripte auf das Jahr 1750 datiert sind und die jüngsten aus den 1980er-Jahren stammen, entstand die Mehrzahl nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei der Wanderung von China nach Südostasien gingen zahlreiche Ritualbücher verloren und mussten nach der Ankunft durch neue Kopien ersetzt werden. Die Bücher wurden anfangs auf weichem Maulbeer-, später auf billigerem aber spröderem Bambuspapier geschrieben, die Tinte haben die Yao aus Ruß und Schweinegalle hergestellt.

Mit dem Ritual des “Augenöffnens” werden die magischen Manuskripte zu Verkörperungen des Gottes Lao Kwan und somit zu Beamten seiner himmlischen Verwaltung. Dabei erhalten die Texte eine direkte mystische Verbindung zu ihren makellosen und vollkommenen Urfassungen in der unsichtbaren Welt. Daraus beziehen sie ihre rituelle Wirkmacht. Sie haben einen eigenen Willen und können ihren Besitzern, je nach Behandlung, Glück oder Unglück bringen.

Manuskripte:
Sammlung Institut für Sinologie / CATS Bibliothek, Universität Heidelberg
Photographien:
Joseba Estévez (Universität Münster, Institut für Ethnologie)
Kuratoren:
Joseba Estévez (Universität Münster, Institut für Ethnologie)
Susann Henker (CATS, Institut für Kunstgeschichte Ostasiens)
Hanno Lecher (CATS Bibliothek)
Guido Sprenger (CATS, Institut für Ethnologie)

 


Abbildungsnachweis: Manuskript mit Musterritualen. - Südchina, 1750, CATS Bibliothek
Text: Guido Sprenger (CATS, Institut für Ethnologie)

 

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 10.01.2020
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